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Normale Version: Wings of Glory (ORIGIN, PC DOS, 1995)
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[Bild: 1210125985-00.jpg]

Ich habe dieser Tage Wings of Glory fertiggespielt und bin begeistert, wie seit langem nicht mehr von einem Spiel. Im folgenden will ich beschreiben, warum.

Grundcharakteristiken

Es handelt sich dabei um eine actionbetonte Flugsim an der Westfront des Ersten Weltkrieges. Man spielt einen amerikanischen Piloten, der bei der britischen Royal Air Force Feindflüge über Frankreich fliegt.
Dabei erzählt das Spiel eine in gewohnter ORIGIN-Manier hübsche Geschichte mit verschiedenen erinnerungswürdigen Charakteren. Die insgesamt 40 Missionen bieten mit den fünf fliegbaren Flugzeugen genügend Abwechslung und Spannung.

Grafik

Die Grafikengine bei Wings of Glory ist im Grunde 1995 bereits veraltet - sie hat bereits die Quasi-Vorgänger von ORIGIN - Pacific Strike und Strike Commander - umgesetzt. Die sehr grobpixelige VGA-Grafik mit wabberndem Horizont besitzt einige gravierende Mängel: Vor allem fällt negativ auf, dass man aus der Entfernung kaum feindliche von freundlichen Flugzeugen unterscheiden kann - in einer Form des Luftkampfes, wo alles auf die Adleraugen des Piloten ankommt, eher hinderlich.
Dennoch mag die Grafik auch einige hübsche Details zu zeigen: Der im Wind flatternde Schal des Piloten etwa oder die stückweise zerfallenden Flugzeuge vermögen zu überzeugen. Nach kurzer Zeit der Eingewöhnung fand ich die Grafik durchaus hübsch.

Sound

Die Soundkulisse überzeugt mich dafür auf ganzer Linie: Zwischen den Missionen erfreuen zahlreiche vertonte Dialoge den Hörer und die Spielmusik besteht zwar ledigilich aus 3-4 verschiedenen Motiven, ist aber sehr eingängig und nie aufdringlich. Besonders die dramatische Musik - v.a. kurz vor dem Abschmieren - gefällt mir. Die Waffengeräusche der Maschinengewehre klingen satt und kräftig, das Zersplittern der beschossenen Flügel klingt autentisch, die Schreie der abgeschossenen Piloten zaubern ein hämisches Grinsen in mein Gesicht.

Steuerung

Das grosse Manko des Spieles. Bereits in zeitgenössischen Reviews beklagt, fliegen sich die Flugzeuge unglaublich schwerfällig, sind kaum zu geradem Flug in der Luft zu halten. Darüber hinaus ist es ungemein anspruchsvoll, einem Feindpiloten am Heck zu bleiben.
Ob mit Maus, Tastatur (meine Wahl) oder Joystick - die Steuerung ist der absolute Horror - wenigstens die ersten paar Flugstunden. Auch die diversen abschaltbaren "Realismus"-Einstellungen helfen da nicht weiter.
Unverständlicherweise wird man in den ersten Missionen des Spiels gezwungen, die unsägliche Sopwith Pub zu fliegen, mit Abstand das am mieseste zu fliegende Flugzeug des Spiels - die guten Flugzeuge (mein Favorit: Sopwith Camel) kommen aber nach und nach.
Doch während der Luftkampf anfangs zum Luftkrampf wird, beginnt man langsam die Eigenheiten der Maschinen zu verstehen und kann ihre physikalischen Mängel gut einschätzen. Dann beginnt jede gewonnene Mission einen mit stolzgeschwellter Brust zu erfüllen - zum einen, weil man den Feind, vor allem aber, weil man die störrische Maschine erfolgreich bezwungen hat.

Missionsdesign

Die Missionen führen eine Reihe von Zielen auf, die sich zuweilen mitten in der Mission ändern können. Typische Ziele sind Luftkämpfe gegen Jäger oder Bomber, Bombardierungseinsätze, Zeppelinbekämpfung und Patrouillen. Sie bieten genügend Abwechslung, um die Motivation dauerhaft hoch zu halten. Während der Missionen gibt es keine Speichermöglichkeiten, aber während ich bei mehreren regelmässig abgeschossen wurde, blieb die Motivation dennoch hoch. Gerade vermeintliche Selbstmordmissionen (allein gegen fünf oder dergleichen) machen gehörig Laune und halten bei der Stange. Übrigens wird sogar der Tod bei diesem Spiel mit einem dramatischen Absturz und einem eigenen Beerdigungsvideo und einem Grabstein samt eigenem Namen "belohnt".

Atmosphäre

Die Atmosphäre von Wings of Glory lebt von ihren Charakteren, die in den Zwischensequenzen zum Einsatz kommen und mit denen sich der Hauptcharakter unterhält (je nach Unterhaltung verändern sich künftige Missionen). Aber auch vermeintliche Details wie die ORIGIN-typische Abschussliste (es ist schon toll, den eigenen Namen mit den meisten Abschüssen zu lesen) und die diversen Ordensverleihungen (jeweils mit Video), die den Spieler bei guter Leistung erwarten, schaffen einen gehörigen Schub an Stimmung. Darüber hinaus werden nach jeder Mission zeitungsartig die grösseren Zusammenhänge des Kriegsgeschehen kurz skizziert. Grossartig!

Fazit

Ich bin kein sehr geübter Flusi-Spieler, aber trotz der o.g. Mängel mit Steuerung und Schwierigkeitsgrad hat mich Wings of Glory auf ganzer Linie überzeugt. Nach einer recht langen Eingewöhnung begann ich die Flugzeuge zu beherrschen und die Abschüsse häuften sich. Vor allem die vielen Details gefielen mir: Im Spiegel kann man die Heldenbrust samt verliehener Orden bewundern, im Hangar und Kasino mit den Piloten-Kollegen plauschen, auf der Abschussliste nach jeder Mission selbstherrlich über die wenigen Abschüsse der Kollegen grinsen.
Ein durch und durch begeisternder Titel, der mir das bietet, was ich persönlich bei den Red Barons, Flying Corps, Dawn Patrol etc. schmerzlich vermisse: Ein Spielgefühl, dass ich nicht ein ersetzbarer Niemand bin, eine echte Storyline mit Charakteren und vor allem jede Menge Spass.
Guten Morgen! rechts oben im jeweiligen Beitrag gibts die Schaltfläche "ändern" Smile

soll der 2 Post komplett gelöscht werden? oder der Text im Quote darin in den ersten übernommen werden und dann gelöscht?
Schönen guten Morgen! Smile
Am liebsten ganz gelöscht, ich wollte eigentlich nur "PC DOS" einfügen...
Schönes Review Smile

Hast Du zufällig auch Pacific Strike gespielt und kannst die Hauptunterschiede - wenn überhaupt vorhanden - skizzieren? Wenn ich es richtig verstanden habe, dann sind die Spiele praktisch 1:1 gleich, außer natürlich das Umfeld (WW1 Westfront vs. WW2 Pazifik).


Danke. Smile

Ich habe Pacific Strike und Strike Commander nur jeweils kurz angespielt, kann aber bestätigen, dass sich alle drei Spiele sehr ähnlich sind. Alle bieten ein Storytelling zwischen den Missionen und basieren auf der gleichen Technik. Allerdings ist bei Pacific Strike und bei Strike Commander die Steuerung wesentlich spielerfreundlicher ausgefallen. Da es daher offensichtlich nicht technisch bedingt ist, frage ich mich, ob es wirklich Absicht war, eine so - gelinde gesagt - "anspruchsvolle" Steuerung bei WoG zu verbauen, um das Feeling der ratternden, störrischen Kisten aus dem 1. WK "autentisch" rüberzubringen...

Es ist wohl die Frage persönlicher Preferenz, welchen der drei Titel man favorisiert. Ich persönlich mag das Szenario des 1. WK und finde es in der Spielewelt sehr untervertreten, weswegen mich WoG von den dreien am meisten angesprochen hat.
Klingt wirklich spannend. Ich bin zwar nicht so der ausgeprägte FluSim-Typ, aber nach diesem Bericht werde ich mir das wohl mal näher anschauen Smile.
Liest sich sehr gut. Ich liebe es neue Wiedersichten zu alten Spielen zu lesen. Danke sehr.
Danke dir. Ich werde gerne noch ein paar weitere meiner alten Lieblinge aus den 90ern vorstellen.
WHOOZA
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S
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