[Review] Planet X3 (MS-DOS), The 8-Bit Guy, 2019
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[Bild: covfqki5.png]

Planet X3 ist ein im Jahre 2019 erschienener Echtzeitstrategie/Action-Mix, der vom profilierten 8bit Guy mit einem kleinen Team explizit daraufhin programmiert wurde, dass es auch auf 286ern noch laufen sollte. Die beiden Vorgänger Planet X1 bzw. X2 wurden für den VIC-20 bzw. den C64 entwickelt. Ich bin ja Feuer und Flamme für diese visionären Träumer, die für uralte Plattformen noch Spiele programmieren (wie etwa Nox Archaist für den Apple][ oder Realms of Quest V für den VIC-20) und das Maximum aus der Technik herauskitzeln. So musste ich mir auch dieses Spiel kaufen und es hat mich so überzeugt, dass ich mir daraufhin gleich noch die Box-Version gekauft habe.


Gameplay

In Planet X3 kämpfen wir als menschliche Kolonisatoren gegen die sich schier grenzenlos klonenden ausserordischen Protoids, die mit ihrer reinen Masse versuchen, uns früher oder später zu überrennen. Das Spiel bietet ein Dutzend gut balancierter, schön gestalteter und abwechslungsreicher Karten in verschiedenen Klimazonen, auf denen wir jeweils mit einem Hauptquartier und zwei Baumaschinen starten, während der Feind meist gleich mehrere Basen zu bauen beginnt. Schnelligkeit lohnt sich, denn wer es schafft, frühzeitig anzugreifen, kann dem Feind die Suppe versalzen, ehe der noch voll ausgebaut ist. Dazu baut man diverse Gebäude und eine kleine, aber feine Anzahl Kampfeinheiten, die vom Spieler gesteuert werden. Der Standardpanzer ist mittelprächtig im Angriff, aber hat etwa einen verheerenden Selbstzerstörungsangriff, mit dem man nach bester Kamikazemanier mitten in die Feindbasis brettern kann – wenn einen die Abwehrmechanismen nicht vorher ausschalten. Der Belagerungspanzer kann dagegen kräftig austeilen und stationär gemacht werden, worauf er selbständig als eine Art vorgelagerte Defensive agiert. Eine umstellte Feindbasis kann mit diesen schweren Geräten nach und nach auseinandergenommen werden. Schliesslich gibt es noch Boote und Raketen, wobei vor allem letztere ein Heidenspass sind: Wer es schafft, die Koordinaten der Feindbasis herauszufinden, kann mit zwei oder drei wohlplatzierten Raketen selbige vollständig vernichten, was ungemein befriedigend ist. So hat man mehrere Möglichkeiten, gegen den Feind vorzugehen, wobei jede Karte ihre eigenen Vor- und Nachteile aufweist, so dass man variieren kann. Manchmal ist eine defensive Vorgehensweise besser, manchmal lohnt es sich, gleich früh loszuschlagen.
Um sich das ganze Kriegsgerät aber leisten zu können, muss man natürlich Rohstoffe fördern: So sammelt man Steine, die je nach Wert unterschiedlich viele Credits einbringen, errichtet Raffinerien auf Gaskratern und baut fleissig Sonnenkollektoren für die Energie.
Der Feind bleibt aber auch nicht passiv: Während er zunächst lediglich nervige Kundschafter aussendet, baut er später widerstandsfähigere Soldaten und zum Schluss die furchteinflössenden Biopanzer. Während die ersten beiden durch Mauern und Hindernisse auf Distanz gehalten werden können, schiessen sich letztere den Weg ungeniert frei und bahnen sich ihre Route, worauf auch die Infanterie nachrücken kann. Auch der sorgfältigste Defensivplan kann so vereitelt werden. Überhaupt ist das irre Gewimmel auf der Karte für ein Spiel mit so beschränkten technischen Kapazitäten bemerkenswert. Während die Feindeinheiten zwar nur ganz simple Verhaltensmuster haben, wirkt alles doch erstaunlich dynamisch und ist sehr herausfordernd.


Grafik

Die Grafik ist überaus gelungen umgesetzt und während ich in der Regel im VGA-Modus spiele, der wie zu erwarten am detailliertesten ist, ist es allein schon beeindruckend, wieviele Grafikmodi das Spiel unterstützt (die man alle mit DOSBox emulieren kann): VGA, fünf verschiedene CGA-Modi, EGA, Tandy, Plantronics und Hercules werden unterstützt. Wie das unterschiedlich aussieht, habe ich hier mal angehängt. Ursprünglich sollte das Spiel einzig für den selten genutzten CGA Composite Mode erscheinen.


Sound
Der Sound überzeugt durch schmissige Musikstücke, die ebenfalls in verschiedenen Modi abgespielt werden können: Als SB, Tandy oder über den PC-Speaker. Auch die Soundeffekte wissen zu befriedigen. Für eine MT32-Unterstützung haben leider die dem Projekt bewusst gesetzten Speicherbeschränkungen nicht ausgereicht. Beim Soundtrack (der dem Spiel beiliegt in allen Modi) kann man jedoch hören, wie es klingen würde.


Fazit

Ein überaus spassiges Spiel, das mich anhaltend unterhält und das ich immer gerne wieder hervorkrame, um ein paar Karten zu spielen. Ich mag die (gezwungene) Reduktion auf nur wenige, aber sehr unterschiedliche Einheiten und die verschiedenen Taktiken, die zum Sieg führen. Das Spiel braucht zwar eine kurze Zeit, bis man sich an das spezielle Spielprinzip gewöhnt hat – da man nicht wie in einem Echtzeitstrategiespiel die Einheiten einfach herumsendet sondern selber steuert – aber wenn man es begriffen hat, weiss man die Stärken und Schwächen der Einheiten perfekt einzuschätzen. Die Boxversion ist hübsch und bietet neben zwei Handbüchern, Stickern und den Disketten ausserdem eine Audio-Kassette mit dem Soundtrack das Spiels. Die Downloadversion bietet alles digital und ist für 10 USD die erschwingliche Variante. Erhältlich im Webshop vom 8 Bit Guy.

Die verschiedenen Grafikmodi: Obere Reihe: VGA, EGA, Tandy, mittlere Reihe: die vier CGA-Modi, unten Hercules und Plantronics (PCJr).
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Ob Gluthitze oder Eiseskälte: Die Protoids scheuen kein Klima.
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Eine ausgebaute Basis - rechts bewachen automatisierte Panzer den Zugang, links sind Raketensilos errichtet, unten sieht man Sonnenkollektoren.
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Hier habe ich eine Brücke gebaut und versucht, einen vorgelagerten Stützpunkt zu errichten. Der Protoids-Tank jedoch ist dagegen und eröffnet das Feuer gegen meinen zur Bewachung zurückgelassenen Schweren Panzer.
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So weit sollte man es nicht kommen lassen: Eine voll ausgebaute Protoids-Basis (aus zwei Screens zusammengesetzt) voller blutrünstiger Krieger. Hier hilft nur noch ein gut gezielter Raketenschlag.
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#2
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Sehr interessantes Review. Ich persönlich finde die Idee, ein Spiel dahingehend zu programmieren, dass es auf 286er und 386er läuft sehr gut. Ich trauere ein bisschen meinem 386er hinterher, der vor einiger Zeit das zeitliche gesgnet hat. Seither steht er in der Abstellkammer und wartet auf die Reparaturversuche meinerseits.

Zum Topic: Das Spiel erscheint mir schön gestaltet und Detailreich. Wirklich gut. Das Bundle auf der Website:
Autographed Box 720K – $45

Retail Box
3.5″ (720K) disk for CGA, Tandy, and VGA computers with 13 maps
Extra disk label for 360K (if you want to write your own)
User Manual
Tactical Manual
Cassette Soundtrack
Full digital download with MP3 soundtrack
Signed by the 8-Bit Guy

Ich finds Klasse, besonders die enthaltene Kasette.
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#3
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Ja, ist wirklich ein schönes Sammlerstück. Auch die Handbücher sind sehr schön gestaltet und auch informativ bezüglich der technischen Seite des Spiels. Als ich's mir gekauft habe, gab's noch gar nicht die digitale Version, also habe ich's einmal in der günstigeren "lite"-Ausgabe gekauft, und dann später noch in der Boxausgabe (unsigniert). Jetzt habe ich das Spiel in der 720k- und in der 360k-Fassung. Big Grin
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#4
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Ja sehr schön, danke für das Review, ich hab die X2 Version für den C64 aber auch nur in der lite Version,
zwar mit dem superschönen Handbuch aber leider ohne Box und ich muss zugeben es bis jetzt noch gar nicht gespielt zu haben.
Hmm, die X3 Version reizt mich schon auch sehr für den PC....
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(25.12.2020, 22:57)Rocco schrieb: Ja sehr schön, danke für das Review, ich hab die X2 Version für den C64 aber auch nur in der lite Version,
zwar mit dem superschönen Handbuch aber leider ohne Box und ich muss zugeben es bis jetzt noch gar nicht gespielt zu haben.
Hmm, die X3 Version reizt mich schon auch sehr für den PC....
Gerne! Ich habe X2 auch, allerdings nur digital. Wobei ich nie wirklich in das Spiel reingekommen bin, irgendwie fand ich's sehr anstrengend zum Spielen, ich weiss nicht einmal mehr genau warum. Bei X3 fand ich die Einstiegshürde dagegen viel geringer - obwohl das Spielprinzip an sich ja fast dasselbe ist, ist es meiner Meinung nach bei X3 eingängiger. Die Bedienung scheint mir besser, man kann z.B. Einheiten oder Gebäude (auch gegnerische) an eine Zahl binden und dann blitzschnell per Tastendruck von einem Ort zum anderen springen. Ausserdem ist es für mich motivierender, weil es durch die verschiedenen Klimazonen und die verschiedenen Gegnertypen einfach mehr Abwechslung bietet. Wenn Dir X2 gefällt, kannst Du mit X3 ganz sicher nichts falsch machen, da sind die 10 USD für die digitale Version gut angelegt. Ich Irrer habe selber ja insgesamt etwa 70 USD ausgegeben für die beiden physischen Versionen inklusive Versand und bereue es nicht. Big Grin

A propos X2: Inzwischen ist ja auch Planet X2.1 herausgekommen. Das scheint sinnvolle Neuerungen zu bieten und sieht klasse aus. Vielleicht hole ich das auch noch, aber nur digital für den TheC64.
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#6
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Inzwischen gibt es sogar die Möglichkeit, MIDI-Musik im Spiel zu geniessen: Ein Fan hat in der Facebookgruppe zum Spiel die entsprechenden Dateien zum Download angeboten. Ich habe mal den MT-32-Soundtrack ausprobiert, klingt toll!

https://www.facebook.com/groups/50327742...320238993/
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