[Review] Attack of the PETSCII Robots (PET, VIC-20, C64), The 8-Bit Guy, 2021
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[Bild: titelu8j3n.png]

David Murray alias The 8-Bit Guy hat vor wenigen Tagen, für mich sehr überraschend, ein neues Spiel veröffentlicht. Als begeisterter Fan von Planet X3 musste ich mir das natürlich sofort holen und wurde nicht enttäuscht. Wiederum erwartet einen hier ein intelligentes Design, das Actionelemente mit Erforschung und Taktik verbindet. Diesmal sind nicht die Protoids die Gegner, sondern Roboterinvasoren, von denen man die Erde befreien soll. Murrays Vorhaben war es hier, ein Spiel für den PET zu entwickeln, das dessen Möglichkeiten voll ausschöpft. In diesem Sinn hat er das Spiel ganz auf den PET konzipiert, aber zugleich Fassungen für den C64 und den VIC-20 entwickelt, die spielerisch identisch sein sollten. Das ist ihm durchwegs gelungen.


Spielprinzip

Neun grosse, offene und sehr abwechslungsreiche Karten (manche auf mehren Stockwerken) warten darauf, erkundet zu werden. Das Ziel jeder Karte: Sämtliche Roboterinvasoren auszuschalten. Wie wir das machen, bleibt ganz uns überlassen, denn es gibt verschiedene Mittel und Wege, das Ziel zu erreichen. Erkundung und Erforschung ist wichtig, einerseits um die Logik des Levels zu verstehen, in dem einen mittels Keykarten nach und nach verschiedene Areale zugänglich werden, andererseits, weil man durch das Durchsuchen von Kisten, Bürotischen, Schränken etc. wichtige Gegenstände findet, die einem bei der Mission gegen die Roboterinvasion helfen.
Typisch für die Spiele von David Murray ist auch an Robots die Beschränkung auf wenige, aber vielfältig einsetz- und kombinierbare Items und eine überschaubare, aber ganz unterschiedlich agierende Gegnerriege. Letztere gibt es drei Klassen: Die einfachsten Roboter patroullieren einfach von einem Punkt zum anderen, greifen uns normalerweise nur an, wenn wir sie angreifen – wobei sie in dem Fall ihre vorgegebene Route verlassen und uns verfolgen. Die mittlere Klasse ist aggressiv und eröffnet das Feuer auf uns, sobald wir in ihr Schussfeld kommen, aber sie patroulliert stur von einem Punkt zum anderen. Die dritte Klasse ist die gefährlichste, hält massig Schaden aus und macht aktiv Jagd auf uns. An Gegenständen gibt es drei Offensivwaffen – eine einfache Pistole, ein explosives Plasmagewehr sowie Zeitbomben – und überaus nützliche Dinge wie ein EMP-Apparat (deaktiviert alle umliegenden Roboter für kurze Zeit – besonders lustig, wenn sich feindliche Hoverbots gerade über Wasser befinden und so einen Kurzschluss erleiden), das Medikit, der Magnet (lässt Roboter von ihrer Bahn abweichen). Mit dieser kleinen Auswahl lässt sich in den Leveln unheimlich viel anfangen.
Direkter Kampf ist möglich, aber fast nie zu empfehlen – selbst die kleinen Roboter können einen schlimm kneifen, gerade die grösseren machen im Nahkampf kurzen Prozess und sind mittels gewöhnlichen Waffen kaum kleinzukriegen. Man muss also trickreich zu Werke gehen. Die Interaktivität der Spielwelt ist dabei entscheidend: Mittels Verrückens von Gegenständen können wir die Patroullienbahnen der Roboter etwa blockieren und sie in eine Ecke oder gar in einen Müllzerkleinerer lotsen, ebenso können Magnete eingesetzt werden, um die Roboter aus ihrer Bahn zu werfen. Die explosiven Fässer, die man immer wieder antrifft, kann man zusammentragen, um etwa eine tödliche Falle für den gefährlichen Evilbot zu machen, der im angrenzenden Raum auf einen lauert. Nicht nur kann man selbst diese Fässer mit der Pistole zur Explosion bringen, sondern auch das Feuer des Gegners bewirkt gleiches – ein überaus befriedigendes Gefühl, wenn der feindliche Roboter so selbst die angelegte Falle auslöst und sich vernichtet. An taktischen Möglichkeiten ist also kein Mangel und das Experimentieren und Tüfteln macht richtig Spass.


Grafik und Sound im Vergleich

Allgemein ist bemerkenswert, wie ähnlich sich die verschiedenen Versionen sind und wie man sämtliche Elemente klar erkennt.
Es dürfte keinen überraschen, dass die C64 «enhanced» die fortschrittlichste Grafik besitzt, aber auch die anderen Versionen müssen sich wahrlich nicht verstecken. Auch die VIC-20-Fassung ist angesichts der Plattform wirklich sehr schön gelungen, bietet jedoch, im Gegensatz zu den anderen Fassungen, etwas weniger Sichtweite, was die Schwierigkeit durchaus erhöht. Die PET-Fassung schliesslich, von der Murray in der Entwicklung ausging, ist grossartig gelungen und es ist fast schon Magie, was er auf Basis von PETSCII-Symbolen hier geschaffen hat. Auf dem PET dürfte Robots ziemlich sicher das sowohl aufwendigste als auch grafisch beeindruckendste Spiel sein und auch auf dem VIC-20 gibt es nur wenig Konkurrenz in dieser Hinsicht (mit Ausnahme des von mir schon vorgestellten Realms of Quest V vielleicht). Aber auch für C64-Verhältnisse macht das Spiel eine richtig gute optische Figur, wobei man hier die tolle Möglichkeit hat, auch die PETSCII-Version – zwischen grün-monochrom und farbig kann im laufenden Spiel mittels F5 gewechselt werden – zu geniessen.
Soundtechnisch ist die C64-Version – was auch keine Überraschung ist – die überzeugendste: Was hier für ein Ohrenschmaus wartet, sucht seinesgleichen. Jede Map hat ihren eigenen fetzigen Soundtrack und der unterstreicht jeweils die Atmosphäre herausragend, auch mancher Ohrwurm ist darunter. Musikalische Abwechslung ist also gegeben. Die sonstige Geräuschekulisse überzeugt durchgehend.
Auf dem VIC-20 ist natürlich soundtechnisch nicht soviel zu erwarten, aber auch hier erfreut man sich an einer Titelmusik, während im Spiel selber zwar Geräusche vorhanden sind, aber keine Musik.
Bei der PET-Fassung gibt es bisher noch keinen Sound, den will Murray aber bald nachliefern.


Handhabung

Gegenüber X2 und X3 fühlt sich Robots wesentlich komfortabler an. Die Steuerung ist sehr eingängig und lässt sich einfach und flink bedienen. WASD dienen zum Schiessen in jede Himmelsrichtung während die Spielfigur selber mit den Cursortasten gesteuert wird. Waffen wechseln wir mit F1, Gegenstände mit F3. Schränke und dergleichen durchsuchen wir mit Z, mit der Leertaste platzieren wir Bomben oder andere Gegenstände, mit M schliesslich werden Elemente der Spielwelt bewegt. Nach kurzer Eingewöhnung beherrscht man die Kontrollen vollkommen.


Fazit

Nach den Ausnahmespielen der X-Reihe liefert The 8-Bit Guy alias David Murray auch hier wieder erstklassige Arbeit ab. Robots ist eine fast perfekte Mischung aus Action und Puzzle und bietet so viele Möglichkeiten und Lösungswege, dass man immer gerne wieder eine Karte spielt, zumal das in drei Schwierigkeitsstufen möglich ist. Man fühlt sich vom cleveren Design gleich an die X-Spiele erinnert, wobei ein wesentlicher Unterschied besteht: Während in den X-Spielen Zeit eine Rolle spielt und schnelles Handeln meist belohnt wird (weil einen die Gegner sonst überrennen), hat man hier alle Zeit der Welt, die Gegner und ihr Verhalten zu studieren. Das macht aus Robots ein anspruchsvolles, aber doch auch gemütliches Knobelspiel mit Actionelementen, bei dem man sich richtig freut, wenn ein Plan aufgeht. Für mich ist jedenfalls klar: David Murray hat mit diesem Spiel wiederum einen modernen Klassiker geschaffen, den ich wärmstens weiterempfehlen will – ob auf dem PET, dem VIC-20 oder dem C64.

Die digitale Fassung (mit pdf-Handbuch) gibt's schon für 10 USD, die "lite"-Version für 20 USD und die luxuriöse Boxausgabe für 40 bzw. 50 (mit Autogramm) USD. Bei der Boxversion ist sogar ein Adapter für SNES-Controller dabei, mit denen man das Spiel wahlweise spielen kann.

http://www.the8bitguy.com/product/petscii-robots/

[Bild: pressew7j8t.gif]
Per Müllpresse (oder was das sein soll) entledigen wir uns elegant eines Gegners.

[Bild: expuajmk.gif]
Chemiefässer eignen sich für riesige Kettenexplosionen. Zwei Hoverbots haben wir hier auf einen Streich erwischt.
Den dritten hätte man auch noch hineinlocken können.

[Bild: liftfljyk.gif]
Manche Levels haben Gebäude mit mehreren Etagen, die wir per Lift erreichen.

[Bild: empoukan.gif]
Das die Elektronik der Roboter blockierende EMP-Gerät ist sehr nützlich, vor allem gegen die aggressiveren Roboter.

[Bild: sk5jye.gif]
Mittels herumstehender Stühle blockieren wir diese Hoverbots und sprengen sie dann mittels Zeitbombe.

[Bild: ex2gakzo.gif]
Explosionen ziehen auch nahliegende Gegenstände und Hindernisse in Mitleidenschaft. Hier entledigen wir uns dank eines Schusses aus dem Plasmagewehr nicht nur eines Gegners sondern gelangen auch an die vorher unerreichbaren Kisten.

[Bild: awqki4.gif]
Auch die PETSCII-Grafiken sind überaus gut gelungen und zeigen das Geschehen sehr plastisch. Auf dem C64 können wir sogar nahtlos per F5-Tastendruck zwischen der farbigen und der einfarbigen Fassung (entspricht der Grafik auf dem PET) wechseln.

[Bild: vicomk3m.gif]
Auch auf dem VIC-20 sieht die Grafik hervorragend aus und das Spielprinzip ist identisch mit jenem der anderen Plattformen.
Die Sichtweite ist allerdings etwas geringer.
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